Spezifische medikamentöse Therapie

Osteoporose: Medikamente zur Behandlung

Autoren: Jennifer Hamatschek , Tatiana Schmid Stand: 30.01.26
Medikamente bei Osteoporose
Trust-Icon

Alle behandeln.at Inhalte werden von medizinischem Fachjournalisten überprüft.

Neben der unverzichtbaren Basistherapie, die u.a. eine ausreichende Versorgung mit Calcium und Vitamin D sowie körperliche Aktivität umfasst, kann in bestimmten Fällen die Behandlung mit speziellen Osteoporose-Medikamenten erforderlich sein. Wann werden entsprechende Arzneimittel eingesetzt, wie wirken diese und wie lange dauert die Therapie?

Wann wird Osteoporose medikamentös behandelt?

In bestimmten Fällen kann bei Osteoporose eine spezielle medikamentöse Therapie notwendig sein, so z. B. bei:

  • bereits vorliegenden Frakturen (osteoporotische Wirbelkörperfraktur, osteoporotische Oberschenkelhalsfraktur)
  • einer Behandlung mit hochdosiertem Kortison für mehr als drei Monate aufgrund einer anderen Grunderkrankung.

Welche spezifischen Osteoporose-Medikamente kommen zum Einsatz?

Es gibt verschiedene Osteoporose-Medikamente, die sich in ihrem Wirkmechanismus unterscheiden. Sie alle haben das primäre Ziel, das Risiko von (weiteren) Knochenbrüchen zu verringern.1

Knochenabbau-hemmende Medikamente (antiresorptive Medikamente):

  • Bisphosphonate
  • Östrogenrezeptor-bindende Medikamente
  • Monoklonale Antikörper gegen das knochenaktive Protein RANKL

Knochenaufbauende Medikamente (osteoanabole Medikamente):

  • Parathormonrezeptor-bindende Proteine
  • Monoklonale Antikörper gegen das Protein Sklerostin

Die Medikamente werden entweder als Tabletten eingenommen oder mitunter auch als Spritze verabreicht.

Welche Therapie ist die richtige für mich? Welche Medikamente im individuellen Fall in Frage kommen, gilt es gemeinsam mit dem Arzt oder der Ärztin zu besprechen. Ärzte orientieren sich bei der Auswahl der Behandlung an sogenannten Therapieschwellenwerten, die das Risiko von Knochenbrüchen innerhalb der nächsten 3 Jahren („3-Jahres-Frakturrisiko“) berücksichtigen.

Wie lange müssen Osteoporose-Medikamente eingenommen werden

Medikamente gegen Osteoporose werden in der Regel langfristig eingenommen (Langzeittherapie).

Während der Therapie werden verschiedene Faktoren in regelmäßigen Abständen überprüft (z. B. Frakturrisiko, Nutzen der Therapie, Nebenwirkungen, Gesamtsituation) – so kann die Behandlung ggf. angepasst werden.

Spätestens fünf Jahre nach Beginn einer medikamentösen Osteoporose-Therapie oder nach Umstellung auf eine neue Therapie sollte die Knochendichte kontrolliert werden. Mitunter ist es auch möglich, bei sinkendem Knochenbruch-Risiko (also unter die Therapieschwellenwerte) eine Therapiepause einzulegen. Auf der anderen Seite kann bei ausbleibendem Therapieerfolg ein Wechsel auf ein anderes Medikament sinnvoll sein.

Wichtig: Die Basistherapie wird begleitend zur medikamentösen Therapie fortgeführt.

Weitere Medikamente: Schmerztherapie bei Frakturen

Für die Linderung von akuten Schmerzen bei Brüchen können bestimmte Medikamente sinnvoll sein (z. B. NSAR, Paracetamol, Metamizol und/ oder Opioide). Der Einsatz erfolgt gemäß dem Stufenschema der WHO (Weltgesundheitsorganisation) . Zur Linderung von Frakturschmerzen können auch weitere Maßnahmen wie z. B. Krankengymnastik zum Einsatz kommen.

Lesen Sie hier mehr dazu.

Tipps bei Osteoporose

Auf eine gute Calciumversorgung achten
1 / 5

Auf eine gute Calciumversorgung achten

Calcium ist ein lebenswichtiger Mineralstoff und ein zentraler Baustein unserer Knochen. Bei Osteoporose ist eine gute Calcium-Versorgung ein wesentlicher Bestandteil der Basistherapie. Gute Calciumquellen sind vor allem Milch, Käse und Joghurt. Aber auch grünes Gemüse, Kräuter und calciumreiche Mineralwässer können zur Versorgung beitragen. Was viele nicht wissen: Jeder zweite Deutsche nimmt zu wenig Calcium auf*. Insofern sollten gerade Osteoporose-Patienten auf eine ausreichende Zufuhr achten.Die Osteoporose-Leitlinie** empfiehlt eine tägliche Gesamtaufnahme von 1000 Milligramm. Wer das nicht über die Ernährung schafft, kann auf entsprechende Präparate aus der Apotheke zurückgreifen.

Weitere Tipps zur Ernährung bei Osteoporose

Vitamin D – das Knochenvitamin
2 / 5

Vitamin D – das Knochenvitamin

Vitamin D fördert die Aufnahme von Calcium aus dem Magen-Darm-Trakt und unterstützt die Knochenhärtung. Es ist nur in wenigen Lebensmitteln in relevanten Mengen enthalten, sodass die Nahrung nur rund 10 Prozent des Bedarfs abdecken kann. Eine viel wichtige Rolle spielt daher die körpereigene Bildung des Vitamins in der Haut. Die kann allerdings nur ablaufen, wenn ausreichend Sonnenlicht auf die Haut einwirkt. Experten empfehlen daher, Gesicht und Arme täglich für mindestens 30 Minuten von der Sonne „küssen“ zu lassen. In der aktuellen Osteoporose-Leitlinie1 wird eine Zufuhr von 800 bis 1000 I.E. (Internationale Einheiten) Vitamin D über entsprechende Präparate (Supplemente) empfohlen, wenn die Eigenproduktion nicht sicher gewährleistet ist und/ oder die Zufuhr über die Nahrung nicht sicher gestellt werden kann.*

Regelmäßige Bewegung
3 / 5

Regelmäßige Bewegung

Ein angepasstes Bewegungsprogramm ist ein wichtiger Bestandteil der Osteoporose-Therapie. Denn durch mechanische Reize wird der Knochenstoffwechsel angeregt – auf diese Weise wird der Knochen gekräftigt und widerstandsfähiger. Gefragt sind dabei vor allem Zug- und Druckbelastungen und ein Wechsel zwischen Be- und Entlastung. Ein spezielles Krafttraining kann das leisten und wirkt sich zusätzlich auch positiv auf die Muskulatur und die Körperhaltung aus. Das sind wichtige Faktoren, um die Gefahr von Stürzen und damit auch von Knochenbrüchen zu verringern.

Entscheidend ist dabei, dass das Bewegungsprogramm auf den individuellen Trainingszustand zugeschnitten ist und von einem qualifizierten Trainer angeleitet wird.

Mehr Tipps zum Thema Sport bei Osteoporose

Stürze vermeiden
4 / 5

Stürze vermeiden

Im Verlauf der Erkrankung werden die Knochen zunehmen porös und können schon bei einfachen Stürzen brechen. Umso wichtiger ist eine wirksame Sturzprävention – und die beginnt in den eigenen vier Wänden. Beseitigen Sie Stolperfallen wie rutschige Teppiche oder Telefonkabel im Flur. Auch unpassendes Schuhwerk und schlecht sitzende Kleidung (z. B. zu lange Hosen) können Stürze begünstigen. Darüber hinaus spielt auch eine gute Innenbeleuchtung eine wichtige Rolle. Zusätzlich sollten Sie Ihre Koordinationsfähigkeit und Ihr Gleichgewichtsgefühl trainieren – das geht zum Beispiel im Rahmen von Osteoporose-Gymnastik-Kursen, die ein solches Funktionstraining beinhalten.

Information und Austausch
5 / 5

Information und Austausch

Informieren Sie sich über das Krankheitsbild und die Behandlung. Bei Osteoporose können Sie selbst viel dafür tun, um dem Knochenschwund entgegenzuwirken. Neben einer ausgewogenen Ernährung und regelmäßiger Bewegung können Sie Risikofaktoren wie zum Beispiel das Rauchen oder übermäßigen Alkoholkonsum vermeiden. Viele Osteoporose-Patienten empfinden den Austausch mit anderen Betroffenen als sehr bereichernd, daher wird auch von Experten die Teilnahme an qualifizierten Selbsthilfe-Angeboten empfohlen.

Autoren, medizinische Fachinformationen und Quellen

Jetzt einblenden

Stand: zuletzt aktualisiert am 30.01.26

Wissenschaftliche Standards:
Dieser Text entspricht den Standards und Vorgaben aus der ärztlichen Fachliteratur, folgt den einschlägigen medizinischen Leitlinien, Veröffentlichungen von Fachgesellschaften sowie aktuellen Studien und wurde von Fachjournalisten geprüft. Mehr zu unseren Qualitätssicherungsstandards

Autoren:

Jennifer Hamatschek

Jennifer Hamatschek, Chefredaktion Medizin und Pharmazie

Jennifer Hamatschek hat Germanistik und Pharmazie an der LMU München studiert. Sie ist eine renommierte Fachjournalistin für Medizin und Gesundheit, die seit über 15 Jahren komplexe medizinische Inhalte zielgruppengerecht und evidenzbaisert aufbereitet. Mehr zu Jennifer Hamatschek
Tatiana Schmid

Tatiana Schmid, Chefredaktion Gesundheit und Ernährung

Tatiana Schmid ist Diplom-Oecotrophologin und eine profilierte Fachjournalistin für Gesundheit, Medizin und Ernährung mit über einem Jahrzehnt redaktioneller Erfahrung. Mehr zu Tatiana Schmid

ICD-Code:

ICD-Codes (International Classification of Diseases) sind weltweit anerkannte medizinische Verschlüsselungen für Diagnosen. Sie werden von Ärzt:innen verwendet, um Krankheiten und Gesundheitsstörungen eindeutig zu klassifizieren und finden sich beispielsweise in Arztbriefen, Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen und Abrechnungen mit Krankenkassen.

Fußnoten und Zitate:

Quellen:

Fachliche Endprüfung und Qualitätssicherung:

Sandra Winter

Sandra Winter, Gesundheitsredaktion

Sandra Winter ist eine erfahrene Gesundheitsjournalistin mit ausgewiesener Expertise in den Bereichen Ernährungswissenschaften, alternative Heilmethoden und Sportmedizin. Mit über 15 Jahren Erfahrung steht Sandra für vertrauenswürdige, wissenschaftlich fundierte und gut recherchierte Gesundheitsinformationen – immer am Puls aktueller Forschung und Trends in der Gesundheitsbranche. Mehr zu Sandra Winter

Das könnte Sie auch interessieren:

Sport bei Osteoporose

Sport bei Osteoporose

Regelmäßige Bewegung ist ein wichtiger Bestandteil der Therapie.

Mehr erfahren
Was ist Osteoporose?

Was ist Osteoporose?

Wissenswertes rund um das Krankheitsbild.

Mehr erfahren
Ernährung bei Osteoporose

Ernährung bei Osteoporose

Lesen Sie hier, worauf es ankommt.

Mehr erfahren
Steckbrief: Osteoporose

Steckbrief: Osteoporose

Die wichtigsten Fakten zum Thema auf einen Blick.

Mehr erfahren